Festspiele Avignon
6.-30. Juli 20016
- Impressionen
6.-30. Juli
Festival d'Avignon 2016
 
Was ist Avignon?
 
Vorbereitung, Anreise, Unterkunft    
 

In

 

Off

 
 
Festival d'Avignon 2016:
70 Jahre In, 50 Jahre Off.

 

 

Jean Vilar

  Die Jubiläen des In und des Off des Festival d'Avignon geben Anlass, einmal auf die Entwicklung der beiden Zweige der Festspiele zurückzublicken. Anlässlich einer Ausstellung über zeitgenössische Malerei und Bildhauerei wurde Jean Vilar gefragt, seine Pariser Inszenierung "Mord im Dom" (T.S.Elliott) in Avignon aufzuführen. Vilar lehnte zuerst wegen der Größe des Cour d'Honneur für dieses Theaterstück ab, machte aber dann den Vorschlag, drei verschiedene, etwas weniger bekannte Stücke von Shakespeare, Paul Claudel und Maurice Clavel zu inszenieren. Damit war die Idee geboren, Theater weit weg von Paris aufzuführen und dabei klassische und zeitgenössische Stücke zu kombinieren. Dies wurde zur Speerspitze der Erneuerung des französischen Theaters und auch an anderen Orten in der "Provinz" wurden Versuche unternommen, das Theaterangebot zu verbreiten. 17 Jahre zeigte Jean Vilar mit einer Truppe im Cour d'Honneur jeweils im Juli modernes Theater in Avignon, das sich von den Aufführungen in Paris abgrenzte.

1966 brachte Vilar mit Maurice Béjart den Tanz in das Festpielprogramm ein, 1967 mit Jean-Luc Godard den Film und mit Jorge Lavelli das Musiktheater. 1968 erreichte die Studentenrevolte auch die Festspiele und führte zu Auseinandersetzungen mit Jean Vilar, der darunter besonders litt, da er sich immer für die Jugend als Besucher eingesetzt hatte. Jean Vilar starb 1971 an einem Herzanfall.

1963 hatte Jean Vilar Paul Puaux zu seinem Verwaltungsleiter ernannt. Nach dem Tod von Vilar übernahm Puaux 1971 die Gesamtleitung der Festspiele, nannte sich aber bescheiden weiterhin nur Administrator. 1979 gab er den Grundsatz auf, dass nur eine Theatertruppe das Festival gestaltet und erweiterte damit die Vielfalt des Angebots.

Paul Puaux Alain Crombecque

Bernard Faivre d'Arcier
 

1980 übergibt Paul Puaux die Leitung der Festspiele an Bernard Faivre d'Arcier und konzentriert sich selbst auf die Gestaltung des Maison Jean-Vilar. Die Leitung des Festivals wird aus der Stadtverwaltung gelöst und erhält einen Beirat aus verschiedenen lokalen und staatlichen Organisationen. Staatliche Förderungen der Festspiele werden beschlossen, um den Cour d'Honneur auch für andere Theatergruppen wie das Théâtre des Soleil einzurichten und weiteren Gruppen den Zugang zum Festival zu ermöglichen. Bernard Faivre d'Arcier öffnet das Festival neuen Formen des Theaters und des Tanzes, weitet den Kontakt zum Publikum durch Ausstellungen und Podiumsgespräche aus.

1985 übernimmt Alain Crombecque für acht Jahre den Stab des Festivals, Bernard Faivre d'Arcier wird zum Kulturberater der Premierministers Fabius ernannt. Alain Crombecque weitet die internationale Orientierung des Festivals aus, führt Lesungen zeitgenössischer Dichter und Begegnungen mit berühmten Schauspielern ein. Ein weiter Schwerpunkt wird die zeitgenössische und die fernöstliche Musik. Vielstündige Aufführungen wie Mahâbhârata von Peter Brock und Soulier der Satin mit Antoine Vitez nehmen ihren gefeierten Anfang.

1993 kehrt Bernard Faivre d'Arcier als künstlerischer Leiter der Festspiele nach Avignon zurück. Das Festival bleibt das Festspiel der bedeutenden französischen Theaterregisseure und Choreographen. Außerdem beteiligen Theatergruppen aus Japan, Korea, Indien und Lateinamerika. Auch moderne Regisseure und Choreographen aus vielen Ländern Europas zeigen ihr Können. In 2003 brechen heftige Streiks wegen  einer Änderung der Sozialunterstützung für Teilzeitkräfte im Kulturbetrieb aus. Das Festival d'Avignon wird abgebrochen. Bernard Faivre d'Arcier konnte das letzte Festival seines Vertrages nicht vollenden.

 

Hortense Archambault et Vincent Baudriller Olivier Py

  Von 2004 bis 2913 leiten Hortense Archambault und Vincent Baudriller das Festival d'Avignon. Für die Programmgestaltung verbinden sie sich in jedem Jahr mit einem neuen "Artiste Associé", der sie bei dem Programmgestaltung und -ausführung unterstützt. Diese Form der Zusammenarbeit brachte in jedem Jahr neue Schwerpunkte und eine partielle thematische Konzentration. Unvergessen sit die Zusammenarbeit mit Thomas Ostermeier, Jan Fabre, Josef Nadj, Wajdi Mouawad, Christoph Marthaler und vielen anderen.

Ab 2004 übernahm Olivier Py wieder allein die Leitung der Festspiele. Der Anteil der französiischen Aufführungen stieg wieder etwas. Jedes Jahr erhält einen theatralischen Schwerpunkt, der im Jahr 2016 aus der Situation im Nahen Osten gebildet wird. Das Festival d'Avignon In hat inzwischen eine beeindruckende Größe gewonnen. Jährlich werden ca. 40 Stücke mit insgesamt 300 Aufführungen gezeigt. Es werden ca. 130 000 Karten für die kostenpflichtigen Veranstaltungen ausgegeben. Ca. 15 % der Besucher sind Ausländer. Von dem Jahresbudget von von etwas über 13 Mio. €, werden 52 % durch Staat, Stadt und Regionen aufgebracht. Die Theatergruppen werden für ihre Aufführungen aus dem Budget honoriert.

André Benetton
 

 

 

 

 

Foto: Christophe Raynaud de Lage  

 

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Redaktion: Dr. Georg J. Vigier, kulturnetz
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